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**Wir müssen reden.

  • Sonja Grammel
  • 17. Nov.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 18. Nov.

Über den Schritt, sich Unterstützung zu holen.**

Wir leben in einer Zeit, in der psychische Belastung so normal ist wie Rückenschmerzen.Nur redet kaum jemand darüber.

Viele Menschen halten durch, obwohl es längst zu schwer ist.Nicht, weil sie unbedingt stark sein wollen.Sondern weil irgendwo in ihnen noch ein alter Satz sitzt:

„Wenn ich mir Unterstützung hole, stimmt etwas nicht mit mir.“

Ein Satz aus einer anderen Zeit.Aus einer Zeit, in der Gefühle privat waren, Schwäche peinlich war und man funktionieren musste – egal, wie es innen aussah.

Genau deshalb müssen wir reden.


Warum fällt es so schwer, sich Unterstützung zu holen?

Wir holen uns Hilfe, wenn der Körper streikt.

Wir gehen zum Arzt, wenn etwas entzündet ist.

Wir machen Physiotherapie, wenn ein Gelenk blockiert.Wir fragen Freunde, wenn wir eine schwere Kiste nicht tragen können.

Niemand schämt sich dafür.

Aber sobald es um die Psyche geht, passiert etwas.

Da taucht dieser leise Satz auf:„Das sollte ich alleine hinbekommen.“

„Ich will nicht, dass jemand merkt, wie es mir geht.“„Ich darf nicht schwach wirken.“

Es ist ein Reflex.

Nicht logisch.

Aber sehr tief.

Er gehört zu einer Generation, die gelernt hat, „sich nicht hängen zu lassen“.

Die gelernt hat, still zu sein, wenn innen Chaos war.

Die gelernt hat, zu funktionieren.

Und dieser Reflex wirkt bis heute.


Was funktioniert nicht (mehr)?

Es funktioniert nicht, dass wir psychische Gesundheit wichtig finden –aber Unterstützung immer noch wie eine Ausnahme behandeln.

Es funktioniert nicht, dass Menschen erst „kurz vorm Zusammenbruch“ sind, bevor sie sich trauen, jemanden anzurufen.

Es funktioniert nicht, dass wir Stärke mit „alleine schaffen“ verwechseln.

Oder Schwäche mit „überfordert sein“.

Es funktioniert nicht, dass körperliche Schmerzen ernst genommen werden –aber seelische oft relativiert werden.

Und es funktioniert nicht, dass wir Kinder in Schulen lehren, durchzuhalten, stillzusitzen, „nicht so sensibel zu sein“ –statt zu lernen, dass Gefühle normal sind.

Dass man unterschiedlich fühlen darf.

Dass man sich gegenseitig respektiert.

Dass es okay ist, Hilfe zu brauchen.

Wir erziehen ganze Generationen dazu, früh zu funktionieren – aber spät um Hilfe zu bitten.


Ein Blick auf unser System – und warum das so viel ausmacht

Wir leben in einem System, das oft erst dann eingreift, wenn es schon brennt.

Prävention findet zu wenig statt. Viele Menschen bekommen erst dann Unterstützung, wenn sie kaum noch können – wenn der Körper streikt, die Psyche dichtmacht oder der Alltag nicht mehr funktioniert.

Das ist kein persönliches Versagen.

Es ist ein strukturelles Problem.

Unser Gesundheitssystem arbeitet zu großen Teilen am Symptom.

Es stabilisiert, beruhigt, dämpft – und das kann wichtig sein.

Aber der Ursprung bleibt dabei oft unberührt.

Und als Kassenpatient ist es oft noch schwerer:

Man wartet Monate auf einen Platz.

Man wird weitergeschickt, vertröstet, abgefangen.

Oft bekommt man erst dann Hilfe, wenn es schon so schlimm ist, dass die Klinik die einzige Option ist.

Das ist bitter.

Und es ist die Realität vieler Menschen.


Wie ich arbeite – und warum

Ich arbeite anders.

Für mich ist entscheidend, zu verstehen, wo es angefangen hat.

Wann etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Welche Erfahrung, welche Überforderung, welcher innere Konflikt den ersten Riss verursacht hat.

Wenn wir den Ursprung erkennen, verändert sich das Symptom oft ganz von selbst.

Nicht, weil man es „wegmacht“.Sondern weil man versteht, warum es da ist.

Ich kann nichts ausradieren, was jemand erlebt hat.Und ich will es auch nicht.

Aber wir können die Stellen, die damals zu viel waren, anerkennen, statt sie wegzudrücken.

Wir können verstehen, warum etwas weh tat.

Wir können schauen, was es gebraucht hätte – und was heute möglich ist.

Und manchmal passiert dann etwas Entscheidendes:

Das Alte verliert seinen Schmerz.

Es drängt sich nicht mehr auf.

Es bestimmt nicht mehr jeden Tag.

Das ist kein „Wegmachen“.

Das ist Verstehen.

Und genau das verändert Symptome.


Ein kurzer, ehrlicher Blick auf meine Arbeit als Privatpraxis

Ich arbeite als Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Das bedeutet: Ich habe eine Privatpraxis.

Aber genau das hat auch Vorteile:

Ich bin frei in den Verfahren, die ich lerne und nutze.

Ich bin frei in der Art, wie ich arbeite.

Ich bin nicht an starre Vorgaben gebunden.

Ich kann tief gehen, wenn es nötig ist – und behutsam, wenn es gerade nicht anders geht

Ich kann mir die Zeit nehmen, die es wirklich braucht.

Für viele Menschen ist genau das der Unterschied:

Sie müssen nicht warten.

Sie müssen nicht kämpfen, um ernst genommen zu werden.

Sie müssen sich nicht erklären.

Sie dürfen einfach kommen.

So, wie es ihnen geht.


Was darf sich im Denken verändern?

Nicht:„Andere schaffen das doch auch.“Sondern:„Mein Leben ist meins.“

Nicht:„Ich will niemanden belasten.“Sondern:„Ich darf mir jemanden suchen, der mit mir schaut.“

Nicht:„Ich sollte stärker sein.“Sondern:„Ich bin stark, weil ich hinschaue.“

Nicht:„Ich muss allein da durch.“Sondern:„Ich darf Unterstützung annehmen, bevor ich nicht mehr kann.“


**Unterstützung ist kein Zeichen von Schwäche.

Sie ist ein Schritt zurück zu dir.**

Ich glaube nicht, dass Menschen schwach sind, wenn sie Hilfe brauchen.

Ich glaube, dass Menschen mutig sind, wenn sie sich trauen, hinzuschauen.

Wenn sie verstehen wollen.

Wenn sie nicht mehr alleine kämpfen wollen.

Du musst nicht warten, bis es nicht mehr geht.

Du musst dich nicht schämen.

Du musst dich nicht rechtfertigen.

Du darfst dir Unterstützung holen.


Und wenn du möchtest, gehe ich ein Stück davon mit dir.



 
 
 

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