Ich würde alles tun – nur nicht für mich.
- Sonja Grammel
- 24. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Weißt du, was mich immer wieder beschäftigt?
Wenn man Menschen fragt:„Wer ist der wichtigste Mensch in deinem Leben?“kommt die Antwort sofort.
Die Kinder. meine Mama, mein Partner.
Und das ist ja auch ehrlich.
Für diese Menschen wird alles möglich gemacht.
Man hält durch.
Man verzichtet.
Man stellt sich hinten an.
Und dann kommt dieser Satz, oft ganz selbstverständlich:„Mich selbst stelle ich zurück.“
Als wäre das normal.
Als müsste das so sein.
Ich glaube, genau da liegt der Punkt.
Nicht, weil wir uns selbst nicht mögen.
Sondern weil wir gelernt haben, dass Liebe so funktioniert.
Erst die anderen.
Ich später. Wenn überhaupt.
Das fühlt sich nicht falsch an.
Es fühlt sich vertraut an.
Für andere sind wir geduldig.
Wir hören zu.
Wir nehmen Gefühle ernst.
Wir würden nie sagen: „Reiß dich zusammen.“
Mit uns selbst machen wir das ständig.
Und dann wundern wir uns, warum dieses Wort Selbstliebe so groß, so sperrig, so weit weg ist.
Dabei geht es gar nicht um Liebe im romantischen Sinn.
Es geht um die innere Reihenfolge.
Wer sich selbst immer zurückstellt, funktioniert lange richtig gut.
Man ist verlässlich.
Stark.
Belastbar.
Aber innerlich zahlt man einen Preis.
Man wird schneller müde.
Reizbarer.
Leer auf eine leise Art.
Nicht, weil man zu wenig liebt.
Sondern weil man sich selbst ständig übergeht.
Und das spüren andere.Auch wenn man nichts sagt.
Was ich irgendwann verstanden habe:Selbstliebe ist kein Gefühl.Kein Hochzustand.Kein „Ich finde mich toll“.
Selbstliebe heißt für mich heute etwas sehr Nüchternes:
Ich behandle mich wie jemanden, der mir wichtig ist.
Mehr nicht.
Ganz konkret.
Würde ich das von meinem Kind verlangen?
Würde ich so mit meinem Partner sprechen?
Würde ich diese Grenze bei jemand anderem ignorieren?
Wenn die Antwort nein ist,dann kann es für mich auch nicht richtig sein.
Ich ändere deshalb nicht mein ganzes Leben.
Ich mache nur eine Sache anders.
Ich stelle mich nicht mehr automatisch ans Ende.
Ich halte kurz inne.Ich frage mich einen Moment lang.Und manchmal entscheide ich mich für mich,ohne mich zu rechtfertigen.
Ich sage nicht sofort zu.
Ich erkläre mich nicht noch einmal.
Ich gehe früher.
Oder ich bleibe bei mir, auch wenn es kurz unbequem ist.
Das fühlt sich manchmal egoistisch an.
Ist es aber nicht.
Es ist fair.
Vielleicht geht es gar nicht darum, endlich mehr an dich zu denken.
Vielleicht geht es nur darum, aufzuhören, dich ständig auszuklammern.
Du musst dich nicht wichtiger machen als andere.
Du musst dich nur mitdenken.
Denn solange du alles gibst, nur nicht für dich, zahlst du den Preis im Stillen.
Und irgendwann fragt man sich nicht mehr, warum man müde ist.
Sondern wann man aufgehört hat, sich selbst ernst zu nehmen.
Das hier ist keine Aufforderung, etwas zu werden.
Es ist eine Erinnerung.
Du bist längst jemand,für den man alles tun würde.
Auch du.




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