Hochsensible Kinder – woran du sie erkennst und was wirklich hilft
- Sonja Grammel
- 20. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Warum manche Kinder stärker fühlen – und wie du damit umgehen kannst
Manche Kinder spüren einfach mehr.
Sie hören Geräusche, die andere nicht stören. Sie merken, wenn eine Stimmung kippt – oft bevor jemand etwas sagt. Sie denken viel, fühlen tief – und sind schnell überfordert, wenn es zu viel wird.
Vielleicht kennst du das von deinem Kind. Vielleicht fragst du dich, warum es so empfindlich reagiert. Warum es sich zurückzieht, wütet oder scheinbar grundlos Angst bekommt.
In diesem Artikel erfährst du:
woran du Hochsensibilität bei Kindern erkennst
wie du sie von überlerntem „Funktionieren“ unterscheiden kannst
und was deinem Kind – und auch dir – wirklich hilft
Was bedeutet Hochsensibilität?
Hochsensible Kinder nehmen die Welt intensiver wahr.
Sie reagieren stärker auf Geräusche, Licht, Stimmungen oder Körperkontakt.
Oft erfassen sie, was zwischen den Zeilen passiert, auch wenn niemand es ausspricht.
Das kann wunderschön sein. Und sehr anstrengend.
Für das Kind. Und für dich als Mama oder Papa.
Woher kommt Hochsensibilität?
In vielen Fällen ist Hochsensibilität einfach da – von Anfang an.
Ein Persönlichkeitsmerkmal. Keine Störung, keine Diagnose.
Manche Kinder sind einfach feinfühlig geboren.
Viele Eltern erkennen sich darin wieder.
Aber es gibt auch Kinder, die sensibel geworden sind.
Weil sie früh gelernt haben, viel mitzukriegen.
Weil sie mussten. Um sicher zu sein. Um sich anzupassen. Um niemanden zu stören.
Diese Kinder wirken oft sehr brav, sehr angepasst, aber innerlich angespannt.
Auch das kann wie Hochsensibilität aussehen.
Nur ist es dann weniger Veranlagung, sondern eher ein Schutz. Und auch das verdient Verständnis.
Woran du hochsensible Kinder erkennst
Viele dieser Kinder …
ziehen sich zurück, wenn es laut oder unruhig wird
reagieren empfindlich auf Kleidung, Geräusche oder Licht
stellen tiefe, manchmal philosophische Fragen
spüren sofort, wie es anderen geht
denken viel – und machen sich früh Sorgen
funktionieren draußen – und explodieren zu Hause
Viele Kinder, die viel fühlen, zeigen das nicht offen.
Sie funktionieren. Oder sie „ticken aus“. Und beides ist oft nur ein Zeichen:
Es war zu viel.
Hochsensibel heißt nicht nur leise – oft auch sehr intensiv
Diese Kinder sind nicht nur empfindsamer, sie sind auch kraftvoll.
Oft sehr begeisterungsfähig.
Sehr wütend.
Sehr genau.
Nicht selten sind sie laut, wenn sie überlastet sind und zurückgezogen, wenn sie überfordert sind.
Sie sind nicht „zu viel“.
Sie sind einfach: viel.
Und das ist okay, wenn man es versteht.
Warum hochsensible Kinder schneller Ängste entwickeln
Wenn man alles stärker spürt fehlt oft ein innerer Filter.
Viele dieser Kinder …
haben Angst, etwas falsch zu machen
sorgen sich früh um andere
trauen sich vieles nicht – obwohl sie innerlich so viel sehen
entwickeln Rückzug oder Kontrolle als Strategie
Das ist kein Drama. Aber es ist real und es braucht einen liebevollen Umgang.
Was dein Kind braucht – und was nicht
Was hilft:
✅ klare Abläufe
✅ ausreichend Pausen
✅ Verständnis statt Bewertungen
✅ das Gefühl: Ich bin okay – auch wenn ich leise bin
✅ Begleitung beim Sortieren der eigenen Gefühle
Was nicht hilft:
❌ „Du bist zu sensibel“
❌ „Da musst du halt durch“
❌ „Stell dich nicht so an“
❌ zu viele Reize, zu wenig Schutz
Warum ich das so gut verstehe
Ich bin selbst hochsensibel.
Ich nehme viel wahr.
Ich höre Zwischentöne. Ich kenne das Gefühl, „zu offen“ zu sein.
In meiner Arbeit ist es essenziell geworden, unterscheiden zu können:
Was gehört zu mir? Was nehme ich gerade vom anderen wahr?
Letzte Woche hatte ich wieder so eine Situation.Ein Klient saß mir gegenüber – schwer, traurig, überfordert.
Früher hätte ich das als mein eigenes Gefühl genommen.
Heute merke ich im Gespräch:
Das ist nicht meins.
Ich kann da bleiben. Ruhig. Klar.
Ich muss es nicht mittragen aber ich kann es halten.
Das ist keine Zauberei. Keine Esoterik.
Sondern geübte Wahrnehmung.
Und genau das kann man lernen. Auch als Kind.
Was Kinder lernen dürfen
Viele dieser Kinder spüren alles – aber wissen nicht, wie sie damit umgehen können.Sie nehmen wahr, was andere brauchen – und verlieren sich dabei selbst.
Sie sagen nichts und sind innerlich voller Gedanken.
Diese Kinder dürfen lernen:
Ich darf sagen, was ich brauche
Ich darf mich abgrenzen
Ich darf langsamer sein
Ich darf Pausen machen
Ich darf anders sein – und das als Stärke sehen
Um es in Kindersprache zu sagen
Hochsensibel zu sein ist wie eine Superkraft.
Man spürt mehr. Man versteht mehr.
Aber gerade deshalb ist es wichtig, gut auf sich selbst zu achten, damit diese Kraft nicht zu viel wird, sondern stark bleiben darf.
Und genau das kann man lernen.
Ich hoffe, dieser Artikel hat dir geholfen, dein Kind oder dich selber ein Stück besser zu verstehen.
Wenn du Unterstützung suchst – für dein Kind oder für dich als Mama oder Papa.
Ich begleite euch/ dich gern.
Ruhig. Klar. Ohne Druck.





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