Der Anschlag auf den CSD und eine Frage, auf die ich keine Antwort finde
- Sonja Grammel
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Gedanken über Menschlichkeit
Eigentlich schreibe ich hier über Ängste, Selbstwert und den Umgang mit belastenden Situationen.
Nicht über aktuelle Ereignisse.
Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin habe ich trotzdem gemerkt, dass ich etwas dazu schreiben möchte.
Nicht, weil ich Antworten hätte.
Und auch nicht, weil ich Hintergründe, Motive oder den Täter bewerten möchte.
Sondern weil mich eine Frage nicht loslässt:
Warum fällt es uns so schwer, Menschen einfach sein zu lassen?
Wir sind alle unterschiedlich.
Wir denken unterschiedlich.
Wir leben unterschiedlich.
Wir lieben unterschiedlich.
Und genau das macht unsere Welt aus.
Ich möchte gar nicht in einer Welt leben, in der alle gleich sind.
Wie langweilig wäre das?
Vielleicht bewegt mich das auch deshalb so sehr, weil ich als Therapeutin jeden Tag Menschen begegne.
Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten, Erfahrungen und Lebenswegen.
Und genau das empfinde ich als Bereicherung.
Ich liebe es Gedanken zu teilen.
Auch ich lerne jeden Tag von den Menschen die eigentlich zu mir kommen um im Leben etwas zu verändern.
Je mehr ich über Menschen lerne und verstehe desto weniger habe ich das Bedürfnis, vorschnell zu urteilen.
Ich muss das Leben eines anderen nicht genauso leben wie er.
Ich muss nicht jede Entscheidung verstehen.
Ich muss nicht jede Meinung teilen.
Aber ich kann akzeptieren, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg geht.
Nach solchen Nachrichten bleiben oft Traurigkeit, Wut und Ohnmacht zurück.
Für mich bleibt eigentlich eine Frage:
Was kann jeder Einzelne tun?
Mehr, als wir manchmal denken.
Im Kleinen beginnt oft etwas Großes.
Ich glaube nicht, dass wir die Welt von heute auf morgen verändern können. Aber ich glaube, dass jede Begegnung zählt.
Wie wir miteinander sprechen.
Wie wir über andere denken.
Wie wir Menschen begegnen.
Vielleicht beginnt genau dort Veränderung.
Auf meine Frage, warum es uns so schwerfällt, Menschen einfach sein zu lassen, habe ich keine richtige Antwort gefunden.
Aber vielleicht wird es leichter, wenn wir neugierig bleiben.
Nicht sofort urteilen. Sondern der Geschichte zuhören, die jeder Mensch zu erzählen hat.
Und ich wünsche mir, dass Menschen irgendwann ohne Angst einfach sie selbst sein können.




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