Was ich mir 2026 nicht mehr einreden lasse
- Sonja Grammel
- 28. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Weißt du, was mir in Gesprächen immer wieder begegnet?
Menschen sagen Sätze, die total vernünftig klingen.
Und trotzdem merkst du sofort: irgendwas daran ist schwer.
Zum Beispiel:„Ich reiß mich halt zusammen.
Das geht schon.“
Oder:„Andere schaffen das doch auch.“
Oder dieser Satz, den ich ganz oft höre:„Ich müsste eigentlich dankbarer sein.“
Das sagt niemand, weil er Drama machen will.
Das sagen Menschen, die lange funktioniert haben.
Die gelernt haben, weiterzumachen, auch wenn es innen anstrengend war.
Und fast immer kommt irgendwann noch hinterher, ganz leise:„Ich habe ja eigentlich alles. Ich dürfte gar nicht jammern.“
Und ich sitze dann da und denke:
Doch.
Darfst du.
Weil ein sicheres Leben nichts darüber sagt, was jemand erlebt hat.
Weil ein gutes Außen alte Geschichten nicht einfach leise macht.
Und weil Gefühle sich nicht an Fakten halten.
Dann gibt es noch diesen anderen Satz:„Es ist jetzt halt so.“Oder: „Das ist wohl mein Schicksal.“
Das klingt abgeklärt.
Ist es aber meistens nicht.
Ich glaube, das ist eher Angst.
Nicht die laute.
Die ruhige, vernünftige.
Die sagt: Bleib lieber hier.
Du weißt, wie das geht.
Das Bekannte fühlt sich sicherer an als das, was man noch nicht kennt.
Auch dann, wenn es eigentlich nicht gut tut.
Also bleibt man.
Und nennt es Schicksal.
Wenn ich das höre, denke ich nicht: falsch.
Ich denke: verständlich.
Manche Wege tragen lange.
Und irgendwann merkt man: jetzt nicht mehr so richtig.
Dann sitzt man da und denkt:
Eigentlich müsste ich doch glücklich sein.
Und merkt gleichzeitig:Irgendwas stimmt nicht.
Ich glaube nicht, dass man in solchen Momenten sofort mutig sein muss.
Oder alles ändern.
Manchmal reicht es schon,sich selbst nicht mehr automatisch zu glauben.Diese alten Sätze nicht sofort einzusammeln und mitzunehmen.
Mich trägt dabei oft dieser Gedanke:
Ich habe nur dieses eine Leben.
Nicht als Druck.
Eher wie ein kurzes Innehalten.
Ich weiß nicht immer, was der nächste Schritt ist.
Aber ich weiß ziemlich genau, was ich nicht mehr tragen will.
Was mir hilft, ist mein Bauchgefühl.
Und ein bisschen Vertrauen ins Leben.
Nicht im Sinne von: dann wird alles gut.
Sondern so: der Druck wird weniger.
Und plötzlich ist da Raum.
Und manchmal sogar Neugier.
Was kommt jetzt?
Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum,alles anders zu machen.
Sondern darum,diese Sätze zum ersten Mal nicht einfach mitzunehmen.




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