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Warum reagieren Menschen so unterschiedlich?

  • Sonja Grammel
  • 23. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Und warum dich manche Momente nicht loslassen

Heute Abend ist mir etwas passiert, das mich noch beschäftigt.

Es war dunkel. Später Heimweg. Landstraße, wenig Verkehr.

Vor mir fuhr ein Auto. Und dann sehe ich, wie eine Katze unter dieses Auto gerät.

Und sie hat noch gelebt.

Sie lag auf der Straße. In Bewegung.

Nicht eindeutig vorbei.

Und das Auto ist weitergefahren.

In mir war sofort Alarm.

Ich wusste nur: Du kannst jetzt nicht weiterfahren.

Wenn sie klar tot gewesen wäre, wäre es vielleicht anders gewesen.

Aber sie hat noch gelebt.

Und das hat in mir alles aktiviert.

Herz schneller. Spannung.

Ich komme vom Land. Ich weiß, dass so etwas passiert.

Aber Wissen ist nicht dasselbe wie Sehen.

Mein Körper hat reagiert, bevor mein Verstand sortieren konnte.

Ich bin stehen geblieben und zu dem Hof gegangen, von dem die Katze vermutlich kam.

Der Vater reagierte nüchtern mit einem OH.

Und sein vielleicht acht- oder neunjähriger Sohn sagte:„Papa, ich mach das schon.“

Er kam mit einer Schneeschaufel und holte die jetzt wohl tote Katze von der Straße.

Sachlich. Fast routiniert.

Und ich stand da noch voller Adrenalin.

Auf dem Heimweg war ich immer noch aufgewühlt.

Und gleichzeitig kam dieser Gedanke:

Wie unterschiedlich Menschen reagieren.

Ich war innerlich noch im Schock.

Dort war es erledigt.


Und vielleicht kennst du genau das.

Nicht unbedingt mit einer Katze.

Aber mit einem Moment, der dich trifft und neben dir steht jemand, der sagt: „Ist doch nicht so schlimm.“


Warum ist das so?

Weil unser Nervensystem schneller reagiert als unser Verstand.

Wenn wir etwas live erleben, schaltet der Körper in Alarm.

Das ist Biologie. Kein Drama.

Und weil wir geprägt sind.

Ein Kind, das auf einem Hof groß wird, erlebt Tod anders als jemand,für den Tiere vor allem emotionale Bedeutung haben.

Was wir häufig erleben, wird normal.

Und was normal ist, fühlt sich selbstverständlich an.

Wir reagieren also nicht nur auf die Situation.

Wir reagieren aus unserer Geschichte heraus.

Vielleicht war es bei dir kein Unfall.

Vielleicht war es ein Streit.

Ein Satz.

Eine Nachricht.

Ein Blick.

Und du warst noch aufgewühlt während jemand anderes schon weiter war.

Und dann kommt schnell diese Frage:

Reagiere ich über?

Die ehrliche Antwort lautet meistens: Nein.

Du reagierst aus deinem Nervensystem.

Und aus deiner Prägung.

Nicht besser.

Nicht schlechter.

Anders.

Das Auto fährt weiter.

Der Junge erledigt es.

Ich bleibe stehen.

Vielleicht reagieren wir alle aus dem, was wir gelernt haben.

Aus dem, was für uns normal geworden ist.

Ich weiß nur, dass ich heute Abend nicht weiterfahren konnte.

Und das fühlt sich bei allem Nachdenken immer noch richtig an.

 
 
 

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