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Was machen soziale Medien mit uns?

  • Sonja Grammel
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Und warum dieses „nur noch ein Video“ so viel mit dem Nervensystem zu tun hat


Manchmal denkt man, man macht kurz Pause.

Ein bisschen scrollen.

Ein paar Videos.

Einfach kurz abschalten.

Und manchmal ist das auch okay.

Aber kennst du dieses Gefühl danach?

Du legst das Handy weg und bist irgendwie nicht erholt.

Sondern eher:

  • unruhig

  • voll im Kopf

  • gleichzeitig leer

  • und ein bisschen… neben dir

Und ich glaube, das ist kein Zufall.


Dieses „nur noch eins“ ist kein Charakterfehler

Ich kenne das selbst.

Dieses:

„Ein Video noch.“

Nicht, weil ich denke, da kommt jetzt die große Erleuchtung.

Sondern weil das Gehirn in so einem Suchmodus ist.

Vielleicht kommt gleich noch was Lustiges.

Noch was Interessantes.

Noch was, das kurz ablenkt.

Und plötzlich sind 20 Minuten weg.

Nicht, weil man sich bewusst dafür entschieden hat.

Sondern weil es sich wie nichts anfühlt.


Was passiert da eigentlich im Kopf?

Soziale Medien sind Dauerinput.

Das Gehirn bekommt im Sekundentakt:

neu – neu – neu – neu

Und genau darauf reagiert unser System.

Jedes neue Video ist ein kleiner Reiz.

Und dabei spielt Dopamin eine Rolle.

Nicht als „Glückshormon“, sondern eher als Antrieb:

„Da könnte noch was kommen.“

Das ist der Grund, warum es so schwer ist aufzuhören.

Nicht, weil du zu wenig Disziplin hast.

Sondern weil dein Gehirn genau dafür gebaut ist.


Warum ist das so schwer zu stoppen?

Weil du nie weißt, was als nächstes kommt.

Mal langweilig.

Mal spannend.

Mal emotional.

Mal genau dein Humor.

Diese unvorhersehbare Belohnung hält uns dran.

Das ist Psychologie.

Nicht Schwäche.


Und was macht das mit dem Körper?

Viele Menschen erleben Social Media nicht nur im Kopf.

Sondern körperlich.

Man merkt es an:

  • innerer Unruhe

  • Schlafproblemen

  • Erschöpfung

  • Konzentrationsproblemen

  • dem Gefühl, nie richtig fertig zu sein

Scrollen fühlt sich oft nach Pause an.

Aber für das Nervensystem ist es selten Pause.

Es ist eher wie ein Dauerrauschen.


Vergleich passiert automatisch

Und dann kommt noch etwas dazu:

Vergleich.

Nicht mal bewusst.

Du siehst Leben. Körper. Beziehungen. Erfolg. Stimmung.

Und obwohl du weißt, dass es Ausschnitte sind, macht es innerlich etwas.

Dieses leise Gefühl:

„Ich müsste auch…“

Das ist anstrengend.


Wie ändere ich das, ohne gleich alles zu löschen?

Es geht nicht darum, Social Media zu verteufeln.

Und auch nicht darum, dein Handy wegzuwerfen.

Es geht eher darum, wieder Wahl zu haben.

Ein paar Dinge helfen wirklich:


1. Der wichtigste Moment ist der dazwischen

Nicht: „Ich darf das nicht.“

Sondern:

„Ah. Da ist es wieder.“

Dieses „nur noch eins“.

Ein Atemzug reicht oft schon, um wieder da zu sein.


2. Frag dich: Was brauche ich gerade wirklich?

Oft ist es nicht das Video.

Oft ist es:

  • Ruhe

  • Pause

  • Nähe

  • kurz raus aus dem Kopf

Das Handy ist nur der schnellste Weg.

Nicht der beste.


3. Mach die Pause echt

Scrollen ist keine Pause für den Körper.

Eine echte Pause ist manchmal:

  • kurz ans Fenster

  • einmal tief atmen

  • Wasser trinken

  • Füße spüren

  • zwei Minuten Stille

Klein.

Aber real.


4. Abends ist der größte Hebel

Wenn du nur eine Sache änderst:

Handy nicht als letztes im Bett.

Weil dein Nervensystem sonst bis zum Einschlafen im Input bleibt.

Und dann wundert man sich, warum der Schlaf nicht tief wird.


5. Merke, wann es kippt

Der Punkt ist nicht „weniger Social Media“.

Der Punkt ist:

zu merken, wann du nicht mehr frei bist.

Wenn aus „kurz schauen“ wird:

„Ich komme nicht raus.“

Das ist der Moment.


Vielleicht ist nicht das Leben zu viel

Vielleicht ist es das, was wir jeden Tag zusätzlich aufnehmen.

Und vielleicht beginnt Veränderung nicht damit, weniger zu sehen.

Sondern wieder früher zu merken:

Ich bin gerade nicht bei mir.

Und dann freundlich zurückzukommen.


Wenn du möchtest, kannst du dir Unterstützung holen, wenn du merkst, dass innere Unruhe, Angst oder körperliche Symptome schon länger Thema sind.

Manchmal ist es gut, nicht allein damit herumzulaufen.




 
 
 

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