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Deine Angst ist nicht das Problem.

  • Sonja Grammel
  • vor 8 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Warum deine Angst einfach nicht verschwinden will.


Heute Morgen war ich mit meinem Hund im Wald unterwegs.

Plötzlich standen zwei kleine Rehkitze vor uns.


Ich blieb stehen.

Mein Hund blieb ruhig.

Und die beiden Rehkitze auch.

Sofort musste ich an meine Arbeit denken.

Nicht, weil ich Tiere mit Menschen vergleichen möchte.

Sondern weil ich mich gefragt habe:


Wann beginnt Angst eigentlich?

Natürlich weiß ich nicht, was diese beiden Rehkitze schon erlebt haben.

Vielleicht war das ihre erste Begegnung mit einem Menschen.

Vielleicht auch nicht.

Doch eines hat es mir nochmal gezeigt:


Angst entsteht selten einfach so.

Sie wird gelernt.


Genau das erlebe ich auch in meiner Praxis.

Niemand kommt mit der Angst vor einem Hund, einer Autofahrt oder einer Menschenmenge auf die Welt.


Unser Gehirn lernt.

Wenn wir eine Situation erleben, die uns überfordert, erschreckt oder in der wir uns hilflos und allein fühlen, speichert unser Gehirn diese Erfahrung ab.

Nicht, um uns das Leben schwer zu machen.

Sondern um uns zu schützen.

In genau diesem Moment musste es eine Lösung finden.

Beim nächsten Mal schlägt es lieber einmal zu viel Alarm als einmal zu wenig.


Vielleicht gab es damals niemanden, der dir Sicherheit gegeben hat.

Niemanden, der gesagt hat:

"Ich bin da."

"Du bist sicher."

Oder:

"Wir schaffen das gemeinsam."


Dein Gehirn hat übernommen.

Genau das tut es bis heute.


Das Problem ist:

Es unterscheidet nicht immer zwischen damals und heute.

Vielleicht erinnert es sich an einen Hundebiss.

An eine Panikattacke im Auto.

An eine Situation, in der du dich völlig ausgeliefert gefühlt hast.

Oder an eine Erfahrung, an die du dich heute gar nicht mehr bewusst erinnerst.

Doch dein Gehirn erinnert sich.

Deshalb halte ich nichts davon, gegen die Angst zu kämpfen.


Ich glaube nicht, dass Angst unser Feind ist.

Sie gehört zu uns.

Sie hat einen Sinn.

Sie möchte uns beschützen.

Sie hat nur irgendwann gelernt, an einer Stelle Alarm zu schlagen, an der heute vielleicht gar keine Gefahr mehr besteht.


Deshalb interessiert mich in der Therapie nicht nur die Frage:

„Wovor hast du Angst?“


Mich interessiert vor allem:

„Warum glaubt dein Gehirn, dass es dich genau hier beschützen muss?“

Denn genau dort beginnt Veränderung.


Nicht indem wir die Angst wegschicken.

Sondern indem wir sie verstehen.

Wenn wir die Ursache erkennen, kann dein Gehirn neue Erfahrungen machen.

Es darf lernen.


Heute bin ich sicher.

Du musst deine Angst deshalb gar nicht bekämpfen.

Vielleicht möchte sie einfach nur verstanden werden.

Denn in dem Moment, in dem wir verstehen, warum sie da ist und wovor sie uns schützen möchte, verliert sie oft einen Teil ihres Schreckens.

Und genau dort beginnt für viele Menschen die eigentliche Veränderung.

 
 
 

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