Plötzlich Angst vor der Autobahn – obwohl du eigentlich gerne Auto fährst
- Sonja Grammel
- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Viele Menschen, die zu mir kommen, sagen einen ähnlichen Satz:
„Eigentlich fahre ich gut Auto.“
„Ich bin immer gerne Auto gefahren.“
„Früher war die Autobahn überhaupt kein Problem.“
Und genau das stimmt meistens.
Die meisten konnten jahrelang völlig normal fahren.
Zur Arbeit.
In den Urlaub.
Zu Terminen.
Dann passiert etwas.
Ein Unfall.
Eine Panikattacke auf der Autobahn.
Ein Moment, in dem der Körper plötzlich Alarm schlägt.
Und plötzlich taucht beim Gedanken an die Autobahn wieder dieses Gefühl auf:
Herzrasen.Unruhe.Die Angst, die Kontrolle zu verlieren.
Von da an beginnt oft ein Kreislauf aus Vermeidung.
Man fährt Landstraße statt Autobahn.
Man plant Umwege.
Man versucht, Situationen zu vermeiden, in denen diese Angst wieder auftauchen könnte.
Am Anfang funktioniert das Vermeiden sogar
Am Anfang funktioniert das nämlich ganz gut.
Man fährt einfach keine Autobahn mehr.
Man nimmt Landstraße oder einen kleinen Umweg.
Wenn man beruflich nicht unbedingt darauf angewiesen ist, geht das eine ganze Zeit lang.
Man sagt sich dann:
„Ist ja nicht schlimm.
Ich brauche die Autobahn eigentlich gar nicht.“
Aber mit der Zeit merkt man, dass sich etwas verändert.
Das Leben wird ein bisschen enger.
Man überlegt plötzlich bei jeder Strecke, ob irgendwo Autobahn kommt.
Man plant Wege anders.
Man sagt vielleicht Dinge ab, weil es zu kompliziert wird.
Und dieses Fenster wird immer kleiner.
Am Anfang ist es nur die Autobahn.
Dann vielleicht eine bestimmte Strecke.
Dann vielleicht eine Brücke oder ein Tunnel.
Und irgendwann merkt man:
Eigentlich bestimmt die Angst gerade mehr, als ich möchte.
Angst hat fast immer einen Ursprung
Wenn man genauer hinschaut, zeigt sich fast immer:
Diese Angst ist nicht einfach aus dem Nichts entstanden.
Es gab einen Moment.
Eine Situation, in der der Körper plötzlich Alarm geschlagen hat.
Manchmal ist das ganz klar, zum Beispiel nach einer Panikattacke oder einem Unfall.
Manchmal ist es auch eine Phase im Leben, in der sowieso schon viel Druck oder Anspannung da war.
Der Körper merkt sich solche Momente sehr genau.
Und plötzlich verbindet sich dieses Gefühl mit genau dieser Situation.
Ich vergleiche das oft mit einem Computer
Ich erkläre das meinen Klientinnen und Klienten manchmal mit einem einfachen Bild.
Stell dir dein Unterbewusstsein wie einen Computer vor.
Ein Computer macht immer genau das, wofür er programmiert wurde.
Er stellt keine Fragen.
Er prüft nicht, ob eine Datei vielleicht längst überholt ist.
Er arbeitet einfach das Programm ab.
Und genau so funktioniert unser inneres System manchmal auch.
Wenn dein Körper einmal eine Situation als gefährlich abgespeichert hat – zum Beispiel eine Panikattacke auf der Autobahn, dann läuft dieses Programm im Hintergrund weiter.
Sobald du wieder in eine ähnliche Situation kommst, startet der Alarm.
Nicht, weil wirklich Gefahr besteht.Sondern weil der Körper gelernt hat:
Hier muss ich aufpassen.
Das Problem ist nur: Dieses „Programm“ überprüft nicht, ob es heute überhaupt noch gebraucht wird.
Ein Computer löscht seine Dateien ja auch nicht von selbst.
Da muss jemand kommen, der sich das anschaut und sagt:
Diese Datei brauchen wir eigentlich gar nicht mehr.
Und genau so kann man sich auch die Arbeit mit solchen Ängsten vorstellen.
Man schaut sich an, wo dieses „Programm“ entstanden ist.
Und dann kann das Nervensystem lernen, dass dieser Alarm heute gar nicht mehr notwendig ist.
Meine persönliche Erfahrung dazu
Bei diesem Thema gibt es einen Moment im Termin, den ich gut kenne.
Es gibt einen Punkt, an dem ich merke:Jetzt ist es gut.
Dann sage ich zu meinen Klientinnen oder Klienten auch ganz klar:
„Jetzt gehst du zum Auto und fährst.“
Nicht morgen.Nicht nächste Woche.
Sondern jetzt.
Viele gehen von hier direkt zum Auto.
Und oft bekomme ich kurze Zeit später eine Nachricht oder einen Anruf:
„Ich bin gerade Autobahn gefahren.“
Was mich daran immer wieder freut:
Diese Veränderungen passieren oft schneller, als viele Menschen vorher glauben.
Nicht, weil es einen Trick gibt.
Sondern weil Angst meistens einen Ursprung hat und wenn man genau dort hinschaut, kann sich etwas lösen.
Für die Menschen, die plötzlich wieder auf der Autobahn fahren, bedeutet das oft vor allem eines:
Ein Stück Freiheit zurückzubekommen.
Und darüber freue ich mich jedes Mal mit.
Wenn du dich hier wiedererkennst
Vielleicht betrifft dich die Autobahn.
Vielleicht ist es aber auch eine andere Situation, die sich plötzlich schwierig anfühlt und dein Leben enger macht.
Manchmal hilft es, genauer hinzuschauen, wo diese Angst eigentlich entstanden ist.
Wenn du darüber sprechen möchtest, kannst du dich gerne bei mir melden.
Oft lässt sich mehr verändern, als man vorher denkt




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